08.10.2008; Neumünster | München | Quickborn – Die Naturschutzverbände Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) und NABU Schleswig-Holstein erneuern ihre Forderung nach einem effektiven Schallschutz bei allen schallintensiven Arbeiten im Meer. Zur Gründung von Offshore-Anlagen sollten zudem bevorzugt Schwerkraftfundamente zum Einsatz kommen, um Lärm weitgehend zu vermeiden. Explosionen, Rammarbeiten, Sonar und seismische Untersuchung gefährden die heimischen Schweinswale, Kegelrobben und Seehunde. Meeressäuger werden nachhaltig aus ihrem Lebensraum vertrieben und können gravierende Hörschäden erleiden.
Anlass für die erneute Forderung sind Ergebnisse von Schallmessungen der Rammarbeiten beim Bau der westlich von Sylt errichteten Windenergie-Forschungsplattform FINO 3, die heute im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg vorgestellt werden. Im Vorwege hatte sich ein Vertreter des Bundesumweltministeriums am Rande der Messe "Husum Wind Energy" so geäußert, dass Rammarbeiten bei Offshore-Projekten angeblich für Schweinswale unproblematisch seien, weil bei FINO 3 ein vorgeschriebener Wert von 160 dB im Abstand von 900 bis 1.000 m eingehalten wurde. Es reiche daher aus, Schweinswale aus diesem Gefahrenbereich zu vergrämen. Man könne so auf weiteren Lärmschutz verzichten.
Dieser Einschätzung widersprechen die drei Verbände heftig. "Es ist keine Wissenschaft, vorgefertigte Meinungen aus den Untersuchungsergebnissen herauszulesen", kommentiert Ulrich Karlowski, Biologe der GRD, die Äußerung von Ministerialrat Udo Paschedag. Der vom Umweltbundesamt (UBA) geforderte Grenzwert für den Einzelereignispegel von 160 dB in 750 m Abstand wurde zwar nur um 2 dB überschritten, jedoch nur aufgrund des Einsatzes eines Blasenvorhanges mit 140 m Durchmesser. Ohne Blasenvorhang ergibt sich dagegen eine Überschreitung des Grenzwertes um 14 dB. Dies entspricht wegen der logarithmischen Skalierung einer etwa 25-fach höheren Schallleistung. Der Spitzenpegel überschreitet den Grenzwert von 170 dB sogar um 25 dB.
Insgesamt werten die Verbände die Ergebnisse der Schallmessungen bei Offshore-Rammarbeiten prinzipiell als positiv. Blasenvorhänge sind für den Schallschutz geeignet. Die Verringerung des Breitband-Schalldrucks um bis zu 12 dB durch einen Blasenvorhang verringert die Fläche des Gefahrenbereichs für Meeressäuger um 97 %.
Beim Bau des belgischen Windparks ‚Thornton Bank‘ wurden aber Schwerkraftfundamente in 25 m Wassertiefe eingesetzt, die ohne einen einzigen Rammschlag auskommen. Innovativere Lösungen zur Vermeidung unnötigen Lärms sollten nach Meinung der Verbände daher bei der Bauausführung oberste Priorität haben. Bei unvermeidlichem Lärm müssen die bereits mehrfach erfolgreich erprobten Lärmminderungsmaßnahmen zum Einsatz kommen.
Denn neuere amerikanische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Gefährlichkeit für Meerestiere mit der Anzahl der Rammschläge steigt. "Es bleibt ein deutlicher Unterschied, ob Schweinswale einem einzelnen Schallimpuls, oder - wie bei FINO 3 - mehreren tausend Schallimpulsen ausgesetzt sind", erläutert Biologin Petra Deimer von der GSM. Die Energie von Schallimpulsen addiert sich im Ohr. Dieser Umstand ist im derzeitigen Grenzwert des Umweltbundesamtes noch nicht berücksichtigt. Hier muss nach Ansicht der Verbände nachgebessert werden.
Der UBA-Grenzwert berücksichtigt zudem in keiner Weise die Vertreibung der Schweinswale durch lärmintensive Arbeiten aus ihrem Lebensraum. Auch kumulative Wirkungen wurden bislang nicht in die Betrachtung einbezogen. "Wenn in den nächsten Jahren, wie von Teilen des Bundesumweltministeriums gewünscht, tausende Windenergieanlagen im Meer installiert werden, ist allerorten mit enormem Krach zu rechnen. Schweinswale können diesem Lärm dann nicht mehr entkommen", erklärt Hermann Schultz, Landesvorsitzender des NABU.
-> -> Karte des BSH: "Nordsee Offshore-Windparks; geplant, genehmigt, abgelehnt, im Bau, in Betrieb" (pdf 200kb)
-> -> Watten-Rat: E.ON verlegt Kabel für Offshore-Windpark
29.07. 2008;
Neumünster | Quickborn | München - Am 30. Juli 2008 wird 80
km westlich von Sylt der 73 m lange und 4,7 m breite Fundamentpfahl der
schleswig-holsteinischen Forschungsplattform "FINO 3" rd. 30 m tief in
den Meeresgrund gerammt. Durch extrem laute Schallemissionen ins Meer
können jedoch die dort lebenden Schweinswale massiv gestört und aus
ihrem angestammten Lebensraum vertrieben werden. Gesellschaft zur
Rettung der Delphine (GRD), Gesellschaft zum Schutz der
Meeressäugetiere (GSM) und NABU Schleswig-Holstein befürchten negative
Folgen für die bedeutende Schweinswal-Kinderstube vor Sylt. Da der
Nutzen von „FINO 3“ zweifelhaft ist, halten die Naturschutzverbände das
Projekt für überflüssig.
Mit etwa 4 bis 5 Schweinswalen pro km² haben Wissenschaftler der Kieler Universität um den Standort von FINO 3 herum die höchsten Schweinswaldichten deutscher Meeresgebiete bestimmt. Hier liegt der wichtigste deutsche sommerliche Schweinswallebensraum. Ausgerechnet in diesem Gebiet und ausgerechnet zur Zeit der Jungenaufzucht zu bauen, widerspricht dabei nach Auffassung der Verbände allen öffentlichen Bekenntnissen der Bundesregierung zum Walschutz.
Schweinswale bekommen in der Nordsee zwischen Anfang Juni und Mitte Juli ihre Jungen. Die bei Bauarbeiten auftretenden Schalldrücke sind trotz vorgesehener Schallschutzmaßnahmen mit Schalldrücken von 225 dB extrem laut. Ein derart intensiver Lärm wird alle Schweinswale aus einem Gebiet von der Größe des schleswig-holsteinischen Wattenmeer- Nationalparks vertreiben, befürchten die Sprecher der Umweltorganisationen.
"Schweinswal-Kälber sind nun etwa vier bis acht Wochen alt. Sie
schwimmen deutlich langsamer als ihre Mütter, was beim durch die
Rammarbeiten ausgelösten Fluchtverhalten die Gefahr birgt, dass Kälber
von ihren Müttern getrennt werden und sterben", erklärt Petra Deimer,
Meeresbiologin der GSM.
Beim Bau von Offshore-Windenergieanlagen, die ebenfalls im
Impulsrammverfahren im Meeresboden verankert werden, fordert das
Umweltbundesamt UBA für Gebiete mit hoher Bedeutung für Geburt und
Aufzucht von Schweinswalen, in den Monaten April bis August keine
lärmintensiven Arbeiten durchzuführen. Diese Auflage floss bislang auch
in viele Genehmigungen für deutsche Windparks ein.
"Warum ausgerechnet
FINO 3 als öffentlich gefördertes Windkraft-Forschungsprojekt von
dieser Praxis abweicht, ist nicht nachvollziehbar", erklärt der Biologe
Ulrich Karlowski von der GRD. "Vom Bundesumweltministerium werden
wortreiche Konferenzen über Klima- und Artenschutz veranstaltet, wenn
es aber darum geht, wirkungsvolle Schutzmaßnahmen vor Ort umzusetzen
und die Empfehlungen von Experten zu berücksichtigen, stellt sich
Umweltminister Gabriel taub".
Hermann Schultz, Vorsitzender des NABU Schleswig-Holstein, ergänzt:
"Aus Erfahrungen mit den deutschen Forschungsplattformen FINO 1 und 2
wissen wir auch, dass an den Masten viele Vögel durch Kollision ums
Leben kommen können. Man muss sich fragen, ob der geringe zusätzliche
Erkenntnisgewinn durch eine weitere Plattform so groß ist, dass er die
offensichtlichen massiven Beeinträchtigungen für die Natur
rechtfertigt."
Copyright Fotos "Rammarbeiten FINO 3": FuE-Zentrum FH Kiel GmbH
-> -> Diese Meldung in der pdf-Version
Es geht auch anders mit Schwerkraft-Betonfundamenten wie beim Bau der REpower 5M Anlage (siehe Foto). Diese Fundamente müssen nicht gerammt werden und sind also auch bei den ganz großen Anlagen technisch möglich. Man muss sich das so vorstellen, dass an Land ein "Haus" vorgefertigt, dann im Meer versenkt und anschließend mit Sand vollgespült wird.
Die Schallemissionen
dürften hier weitaus geringer sein. Warum ausgerechnet beim Bau der mit Steuergeldern geförderten Forschungsanalge
"Fino 3" nicht die wesentlich umweltfreundlichertere Schwerkraft-Betonfundament-Technik
verwendet wird, ist ebenso skandalös wie rätselhaft.
Oberartenschützer Sigmar Gabriel ist wohl schon vom Windkraftgetöse völlig taub für den Meeresartenschutz geworden...
Bild: Die erste von sechs REpower 5M im belgischen Hochseewindpark Thornton Bank wird in einer Wassertiefe von rund 25 Metern installiert. Quelle: obs/REpower Systems AG
29.05.2008; Neumünster | München | Quickborn – Mitte Mai begannen die Bauarbeiten für den dänischen Windpark "Horns Rev 2" westlich von Blåvands Huk. Was der Umwelt nutzen soll, schadet Meeressäugern wie dem Schweinswal, stellen die Umweltorganisationen GRD, GSM und NABU fest: Rammen, die die 91 Fundamentpfähle der Anlagen in den Boden treiben sollen, erzeugen erheblichen Lärm. Unter Wasser werden Schalldrücke von bis zu 235 dB erreicht. Der Zeitpunkt für die Arbeiten ist denkbar ungünstig gewählt – für Schweinswale steht die Geburt ihrer Jungen unmittelbar bevor. Auch die Bundesrepublik verzichtet häufig auf technisch möglichen Schallschutz auf See.
Durch das Rammen der Fundamente vor Blåvands Huk wird die Schweinswal-Kinderstube über die gesamte Fortpflanzungszeit in einen "Technobunker" verwandelt. Welche Auswirkungen die monatelangen Rammarbeiten haben, ist trotz Umweltverträglichkeitsstudien unbekannt. GRD, GSM und NABU befürchten in dieser empfindlichen Zeit erhebliche Störwirkungen. Die 9. UN-Naturschutzkonferenz (CBD) bedauert wortreich den anhaltenden Verlust der globalen Artenvielfalt - die Weltgemeinschaft wird auf wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel eingeschworen. "Unsere Meere verkommen dabei zusehends zu lauten Industriegebieten. Es ist eine Farce, wenn der Bau der als klimafreundlich geltenden Offshore-Windenergieanlagen nun die Kinderstube der Schweinswale verwüstet", stellt Petra Deimer von der GSM fest.
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ür die Nordsee-Schweinswale steht die Fortpflanzungszeit unmittelbar bevor: In einem grenzüberschreitenden Bereich, der sich westlich des dänischen Wattenmeeres und der Inseln Sylt und Amrum bis etwa 100 km ins Meer erstreckt, kommen sie in dieser Zeit in besonders hoher Dichte vor. Hier liegt nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern auch deren wichtigste Kinderstube. Der dringend notwendige Schutz dieser gefährdeten Meeressäugetiere fußt jedoch auf wenigen Schutzgebieten, die aber den Kleinwalen keine ausreichende Sicherheit bieten: Für Schweinswale lebensgefährliche Stellnetze, der Abbau von Kies, seismische Untersuchungen, aber auch der Bau von Windparks gefährden selbst hier wie im übrigen Meer die Meeressäuger.
NABU, GSM und GRD fordern, wirksame Schallschutzmaßnahmen beim Bau aller Offshore-Installationen zu nutzen. Gerade für die Errichtung der Fundamentpfähle sind diese bereits erprobt und wirksam. Aus Kostengründen wollen jedoch viele Windparkbetreiber auf
deren Einsatz verzichten. "Mit Blasenvorhängen oder schallisolierten Stülprohren lässt sich aber eine Reduzierung der Gefährdungsfläche auf ein Hundertstel erreichen", erklärt NABU-Landesvorsitzender Hermann Schultz. "Entsprechend muss der Einsatz vom Bund zwingend vorgeschrieben werden."
Denn in der Bundesrepublik sieht es beim Schallschutz nicht deutlich besser aus. Hier wird der Startschuss zum Offshore - Windenergieboom in diesem Jahr gegeben. Vor Sylt soll die Forschungsplattform "FINO 3" und vor Borkum das Offshore Testfeld "alpha ventus" mit 12 Windenergieanlagen gebaut werden – ohne effektiven Schallschutz. Insgesamt sind in der Nordsee 16 und in der Ostsee drei weitere bereits genehmigte Windparks mit je 80 Anlagen geplant. Hinzu kommen noch Windparks in Küstennähe, die durch die Landesbehörden in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern genehmigt wurden.
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elbst bei öffentlich geförderten Projekten wie "FINO 3" und "alpha ventus" drückt man sich um Zusagen für einen effektiven Schallschutz. Für ein vom Bundesumweltministerium (BMU) gefördertes Errichtungsschiff ist ebenfalls kein Schallschutz vorgesehen. Diesbezügliche Anfragen von NABU, GSM und GRD an das BMU und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) blieben bislang entweder unbeantwortet, oder die Antwort fiel so allgemein aus, dass es zweifelhaft erscheint, dass rechtzeitig zum Baubeginn entsprechende Schallschutzmaßnahmen vorliegen werden.
Wir befürchten, dass kommerzielle Windparkbetreiber in Deutschland ebenfalls auf Schallschutzmaßnahmen verzichten wollen, wenn sich selbst Bundeseinrichtungen darum drücken", erklärt Ulrich Karlowski von der GRD.
AKTUELL: 16.07.2008 - Bau des ersten Offshore-Windparks "alpha ventus" kann beginnen:
Hamburg/Borkum (dpa/lno) - Der Bau des ersten Offshore-Windparks "alpha ventus" in der Nordsee kann beginnen. Das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erteilte am Dienstag die Baufreigabe für die Testanlage. 45 Kilometer nördlich von Borkum können die ersten zwölf Rotoren mit je fünf Megawatt Leistung aufgestellt werden. "Damit wird "alpha ventus" das erste Windparkprojekt in Deutschland sein, das voraussichtlich ab Herbst Strom auf hoher See produziert", sagte Christian Dahlke, der im BSH für Offshore-Vorhaben und marine Raumordnung verantwortlich ist. Der Bund fördert das Vorhaben mit 50 Millionen Euro.
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