Projektbericht 2006

Die Feldarbeit der Jahre 2005 und 2006 war starken Einschränkungen unterworfen, da kein professionelles Forschungs- und Arbeitsboot zur Verfügung stand. Die Anschaffung eines professionellen Projektbootes besaß deshalb oberste Priorität. Durch Mittel der SOS-Stiftung (Save Our Seas) aus der Schweiz sowie der Gesellschaft zur Rettung der Delphine konnte ein in Maputo gebautes Doppelrumpfboot nebst Trailer, angetrieben von zwei 40-PS-Außenbordern angeschafft werden.

In 2006 wurden die noch fehlende Bordausrüstung (Sicherheitswesten, Bojen, UKW-Funk, Sonar, Rettungswesten, usw.) sowie die Steuerkonsole angeschafft, die Bootsversicherung abgeschlossen, das Boot bei der Hafenbehörde angemeldet und die Beschriftung fertig gestellt. Das Boot wurde auf den Namen "Stenela" getauft.

Die "Stenela" wird auf der 4. jährlichen Tourismus-Messe vom 11.-14.05.2006 in Maputo ausgestellt und erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Zwei Poster erläutern den Messebesuchern, zu denen der Ministerpräsident von Mosambik, der Tourismusminister, weitere Regierungsmitglieder sowie zahlreiche Diplomaten ausländischer Vertretungen zählen, Vorhaben und Ziele des Projekts.

Am 20. Mai 2006 gingen Almeida Guissamulo und seine Mitarbeiter mit der "Stenela" auf Jungfernfahrt in der Bucht von Maputo.

Das Projektboot wird zu Wasser gelassenDie mit der Komplettierung des Projektbootes verbundenen Kosten belasteten das zur Verfügung stehende Projektbudget allerdings derart, dass die für 2006 geplanten Projektarbeiten nicht im geplanten Umfang durchgeführt werden konnten.

In den Monaten Mai, August, September und Oktober wurden insgesamt 8 Patrouillen von jew. 6 Stunden Dauer durchgeführt. Bei keiner dieser Fahrten gelang es, Buckeldelfine zu sichten. Die Fahrten hatten allerdings eine große Wirkung hinsichtlich der Steigerung des Bekanntheitsgrades des Projekts unter Fischern und Skippern.

Im Zeitraum Juli bis August wurde im Rahmen der Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit des Projekts eine Umfrage unter den lokalen Fischern in der Bucht von Maputo durchgeführt. Hierbei wurden, unter anderem, folgende Fragestellungen untersucht:

Ein Beifangopfer wird ausgeschlachtet 1. Kenntnisstand der Fischer über das Vorkommen von Delfinen:
- werden Delfinarten unterschieden?
- anhand welcher Körpermerkmale werden die Delfinarten unterschieden?
- wo werden Delfine gesichtet
- in welchen Fischfanggebieten tauchen Delfine besonders häufig auf?
- sind den Fischern Gefahren für Delfine bewusst (Beifang)
- Aussagen hinsichtlich der Häufigkeit von Delfinsichtungen

2. Informationen über Delfin-Beifänge
- Anzahl, Jahreszeit und Ort von unabsichtlichen Delfinbeifängen

3. Außerdem wurden Poster und Flugblätter über die Situation der Delfine in der Maputo-Bucht und die Delfinschutzarbeit des Projekts entworfen.

Karte Fischanlandestellen (Catembe, Maritimo, Triunfo, B. Pescadores und Montanhana) an der Westküste der Maputo-BuchtUm eine effektive Schutz- und Managementstrategie für die in der Maputo-Bucht heimischen Buckeldelfine aufstellen zu können, sollen die lokalen Fischer zum einen in das Schutzkonzept einbezogen und zum anderen ihre Wissensdefizite im Meeressäugerschutz identifiziert und Konzepte dieses aufzubessern, erarbeitet werden.

110 Fischer, die vorwiegend Kiemennetze, Wurfnetze und Handleinen einsetzen, wurden bei der Aktion erfasst.

Die anhand eines standardisierten Fragenkatalogs durchgeführten Interviews fanden innerhalb von 3 Wochen im Zeitraum Juli bis August an 5 Fischanlandestellen (Catembe, Maritimo, Triunfo, B. Pescadores und Montanhana) an der Westküste der Maputo-Bucht statt.

Es wurden auch Informationen zum eingesetzten Fanggerät, zu den bevorzugten Fischfanggründen und hinsichtlich der Häufigkeit ihrer Fangfahrten abgefragt. Den Fischern wurden Fotos von 4 Delfinarten vorgelegt (Gemeiner Delfin, Großer Tümmler, Buckeldelfin und Kleiner Schwertwal), damit sie die Arten, die sie gesehen hatten, identifizieren konnten (nur 2 dieser Arten kommen in der Maputo-Bucht vor: Großer Tümmler und Buckeldelfin).

Nach Auswahl der beobachteten Art, wurden Informationen über besondere Merkmale der Art, wie z.B. Größe, die Anzahl der Tiere, die Beobachtungszeit, den Ort, die Beute der Delfine, von den Fischern verwendete Namen für die Art, unabsichtliche Beifänge sowie der Kenntnisstand hinsichtlich der Gefahren für Delfine abgefragt. Am Ende eines jeden Interviews wurden die Fischer um ihre Einschätzung der Entwicklung der Delfinbestände in der Maputo-Bucht in den vergangenen 5 Jahren gebeten.

Zusammenfassung der Ergebnisse:

Almeida Guissamulo befragt FischerDer Kenntnistand der befragten Fischer zu ihrem Wissen über Delfine ist allgemein als ungenügend zu bezeichnen. Sie sind meist nicht in der Lage, die Arten korrekt zu unterscheiden. Einige wollen sogar Gemeine Delfine beobachtet haben, was angesichts des Habitats (Maputo-Bucht) und der beschriebenen Eigenheiten der beobachteten Tiere sehr unwahrscheinlich ist. Überraschend ist jedoch, dass Buckeldelfine am besten erkannt und beschrieben werden konnten und die beobachteten Eigenheiten gut mit der Biologie dieser Delfinart übereinstimmen.

Meist gelang es den befragten Fischern nur mit Hilfe der vorgelegten Bilder, die Delfinarten zu bezeichnen. Es scheint, dass der Buckeldelfin die bekannteste Art ist, wahrscheinlich, weil sie oft zu beobachten ist und sehr küstennah auch in der Nähe von Flussmündungen vorkommt.

Die Fragebogenaktion unterstreicht die Notwendigkeit, eines Fortbildungsprogramms für Fischer zur Biologie der Delfine und den Gefahren, denen sie ausgesetzt sind.

Dies gilt besonders angesichts der Tatsache, dass den Fischern - bis auf diejenigen, die bereits unabsichtlich Delfine gefangen hatten - kaum Gefahren für die Meeressäuger bekannt sind.

Unabsichtlicher Beifang, so weit er berichtet wurde, scheint minimal zu sein, betraf aber in allen Fällen Buckeldelfine. Die Rate dürfte bei einem getöteten Tier pro Jahr liegen, was angesichts der Seltenheit diese Delfinart dennoch Anlass zur Besorgnis gibt.

Sektion der bei der Insel Bazaruto gestrandetem Delfine

Im Oktober 2006 strandeten an einem entlegenen Küstenstreifen auf der Insel Bazaruto 47 Delfine und starbenGegen Ende Oktober 2006 strandeten an einem entlegenen Küstenstreifen auf der Insel Bazaruto 47 Delfine und starben. Die ungewöhnliche und viel beachtete Strandung gab Anlass für zahlreiche Spekulationen über die möglichen Ursachen (Einsatz von Militärsonar, Einsatz von Soanarbojen durch die South African Oil Company SASOL, Beifang, Erdbeben, u.a.m.).

Um die Ursache für dieses Strandungsereignis aufzuklären, finanzierte die GRD eine vor Ort Untersuchung. Diese wurde zwischen dem 16. und 22. November durchgeführt. Teilnehmer waren: Alemeida Guissamulo, Vic Cockkroft (vom Centre for Dolphin Studies aus Südafrika) sowie die Studenten Lucas Sabao, Tomas Edgar Gabe und Martins Muloiua. Ein Teil der Kosten der Untersuchung wurde dabei von der SASOL getragen.

Der Kopf wird vom Kadaver abgetrenntEin von Nationalparkmitarbeitern eingefrorener Delfinkadaver sowie 25 noch am Strand befindliche Kadaver wurden untersucht. Die übrigen gestrandeten toten Delfine waren bereits von der Flut wieder zurück ins Meer gespült worden.

Die am Strand aufgefundenen Delfinkadaver befanden sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Verwesung, deshalb war es nicht möglich, die Skelette zu reinigen und vollständig zu bergen.

Das Untersuchungsteam erfasste daher Daten hinsichtlich des Geschlechts und der Größe der gestrandeten Tiere, trennte die Köpfe vom Körper, entnahm die Zähne und nach Öffnung der Körper, die Mägen, um deren Inhalt zu untersuchen.

Köpfe, Mägen und Zähne wurden im Bazaruto Nationalparkhauptquartier weiter untersucht. Der Mageninhalt, so vorhanden, wurde entnommen. Die in Alkohol konservierten Proben wurden ins Naturhistorische Museum nach Maputo transportiert.

Zusammenfassung der Ergebnisse:

Die Delfine strandeten gegen 3:30 morgens an einem seichten Strandabschnitt. Auf Grund der Dunkelheit konnten die Tiere nur ihr Echolot einsetzen, um den Weg zurück ins Meer zu finden. Der Strandabschnitt ist seewärtig von einer 1 bis 1,5m hohen Felsenreihe unterbrochen, die den Tieren bei Ebbe den Weg ins Meer versperrt haben muss.

Zum Zeitpunkt der Untersuchung konnten noch 26 Kadaver, die sich auf eine ca. 1km langen Strandabschnitt an der Ostküste der Insel Bazaruto verteilten, gefunden werden. Bei den meisten Tieren handelte es sich um nicht geschlechtsreife, junge Männchen. Die wenigen ausgewachsenen Weibchen lagen in einer Gruppe zusammen. Bei der Hälfte der gestrandeten Tiere war keinerlei Dr. Vic Cockkroft vom Centre for Dolphin Studies aus Südafrika und Studenten aus MputoNahrung in den Mägen, bei den übrigen fanden sich bereits vollständig verdaute Tintenfischschnäbel und Reste von Fischskeletten.

Es konnten keine unnatürlichen Ursachen für die Strandung der Delfingruppe (Beifang in Fischernetzen, Sonar, usw.) festgestellt werden. Es scheint, dass die Strandung auf eine natürliche Ursache zurückzuführen ist, die mit der speziellen Topografie des betroffenen Strandabschnitts zusammenhängt.

Projektplanungen für 2007

Besonders in Anbetracht des "UN Jahr des Delfins 2007" planen wir die folgenden Maßnahmen:

1. Ausbildungsprogramm für Fischer über Biologie und Gefahren der beiden in der Maputo-Bucht lebenden Delfinarten mit Vorträgen und Postern

2. Ausbildungsprogramm für Schulen zum Delfinschutz und Produktion dafür geeigneter Materialien

3. Ausarbeitung einer 45minütigen TV-Sendung über Situation und Schutzstatus der Buckeldelfine in der Maputo-Bucht

4. Etablierung einer kontinuierlichen Datensammlung über Delfinsichtungen und Beifangraten in Kooperation mit den Fischern der Maputo-Bucht

5. Intensive Erfassung der Delfinbestände und Delfinzählungen im April 2007

6. Vorbereitung und Präsentation einer Studie beim Workshop des jährlichen Meetings der Society for Biological Conservation 2007 in Südafrika

7. Kontinuierliche Beobachtungs- und Patrouillenfahrten zur Datenerfassung über die Situation der Buckeldelfine in der Maputo-Bucht
Almeida Guissamulo im April 2007, bearbeitet von Ulrich Karlowski

Download des ausführlichen Projektberichts 2006 als pdf (ca. 460kb)

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Projekt Mosambik (Insel Inhaca | Maputo-Bucht)