Mit einem Fangverbot für Roten Thun (Thynnus thynnus) im Ostatlantik und Mittelmeer will die EU-Kommission ein erneutes Überschreiten der Jahresfangquote verhindern. Es gilt seit dem 16. Juni für die Flotten von Griechenland, Frankreich, Italien, Zypern und Malta sowie ab dem 23. Juni für die spanische und betrifft ausschließlich die industrielle Ringwadenfischerei, die über 70% der Gesamtfangmenge hereinholt. Kleinere, handwerkliche Fischereien sind ausgenommen und dürfen ihre Quote ausschöpfen.
Roter Thun gehört zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Thunfischarten. Der räuberische Gigant erreicht eine Länge von 4,5 m bis 5 m und bringt bis zu 700 kg und mehr auf die Waage. Juni ist die Hauptlaichzeit des Roten Thuns im Mittelmeer und damit auch die wichtigste Jagdsaison. In diesem Zeitraum kann die Ringwadenflotte der EU in nur drei Tagen 10 % der für die gesamte EU zugelassenen Höchstmenge abfischen, die 2008 bei 16210 Tonnen liegt. Besonders begehrt ist er – vornehmlich als Sushi oder Sashimi – in Japan, auf das über 80% des weltweiten Umsatzes entfallen. Dagegen wird Roter Thun nicht als Konserve verarbeitet.
Mit einem Fünfzehnjahresplan will die Internationale Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfisches (ICCAT), zu deren 46 Mitglieder auch die EU zählt, die drohende Ausrottung von Rotem Thun verhindern und die Bestände wieder aufbauen. Ursprünglich sollte die Ringwadenfischerei, wie im Vorjahr, erst ab Juli eingestellt werden. Doch nachdem Frankreich und Spanien ihre Quoten bereits 2007 erheblich überschritten hatten, wurde der Termin vorverlegt, zumal auch dieses Jahr die internationalen vereinbarten Regeln zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Bestände von Rotem Thun vielfach nicht eingehalten wurden.
"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat nach den offiziellen Zahlen die Hälfte der französischen Flotte noch nichts gefangen, während die andere Hälfte bereits mehr als 90 % der jeweiligen Quote ausgeschöpft hat und alle Schiffe ähnlich aktiv sind. Wir wissen auch von acht italienischen Ringwadenfängern, die nach offiziellen Zahlen ihre Quoten bereits um 100-240% überschritten haben", beklagt EU-Fischereikommissar Borg.
Maßnahmen der EU zum Bestandserhalt blieben bislang wirkungslos. Trotz Senkung der Fangquoten für Roten Thun und Bereitstellung von Mitteln zur Verkleinerung der Ringwadenflotten haben die Mitgliedsstaaten, im Gegenteil, aufgerüstet – von 92 Schiffen im Jahr 2007 auf 134 im Jahr 2008!
Die GRD und andere Umweltorganisationen halten das vorverlegte Fangverbot zwar für einen Schritt in die richtige Richtung, doch bei Weitem nicht ausreichend, um einen Zusammenbruch der Bestände des Roten Thun zu verhindern. Sie fordern, die Schonzeit auf den gesamten Juni auszudehnen sowie die Fangquoten auf die von den ICCAT-Wissenschaftlern empfohlenen Mengen zu senken. Darüber hinaus sind schärfere Kontrollen und Sanktionen notwendig, um Verstöße zu verhindern.
So entdeckte die Umweltorganisation Oceana kurz nach Erlass des Fangstopps weiterhin operierende italienische Ringwadenfänger sowie bereits Anfang Juni mit den Fischern kooperierende Suchflugzeuge zum Aufspüren der Thunfischschwärme, deren Einsatz absolut illegal ist.
Auch der stark wachsenden Piratenfischerei müssen wirkungsvolle Maßnahmen entgegengesetzt werden. Diese nicht registrierten Schiffe, die gegen internationale Fischereivorgaben verstoßen, richten immense ökologische und wirtschaftliche Schäden an. Das Ausmaß wird inzwischen mit dem organisierten Verbrechen, wie Drogenhandel oder Schmuggel, verglichen.
Ulrike Kirsch
12.03.2008 | Quellen: WWF|GRD - Die Jagd auf den begehrten und bedrohten Roten Thunfisch im Mittelmeer hat zu einem wahren Wettrüsten der Fischereinationen geführt. Laut einer WWF-Studie liegt die Kapazität der Fangflotten um nahezu das Vierfache über dem Niveau einer nachhaltigen Fischerei. Wissenschaftler empfehlen, nicht mehr als 15.000 Tonnen Roten Thun pro Jahr zu fangen. Die Flotte kann jedoch 55.000 Tonnen aus dem Meer holen "Das ist ein wirtschaftlich und ökologisch krankes System. Immer mehr High-Tech-Boote machen Jagd auf immer weniger Tunfisch", kommentiert Dr. Sergi Tudela vom WWF-Mittelmeerprogramm. Angesichts der Überfischung drohe ein Kollaps der Bestände.
Die größten Überkapazitäten haben die Türkei, Italien, Kroatien, Libyen, Frankreich und Spanien. "Es gibt fast 300 Fischtrawler zuviel im Mittelmeer", so WWF-Expertin Karoline Schacht. Doch Politik und Industrie ignorieren die Krise. Statt die Flotte zu verkleinern, werden derzeit sogar noch 25 neue hochmoderne Fangschiffe gebaut. Allein um die Betriebskosten der aktuellen Flotte zu decken, müssten etwa 42.000 Tonnen Thunfisch gefangen werden. "Diese enorme Überkapazität hat fatale Folgen. Die Politik beschließt zu hohe Fangquoten, um das System zu stützen. Und zusätzlich blüht die illegale Fischerei. Um zu überleben, sind die Fischer gezwungen, den Thunfisch zu plündern. So fischen sie sich arbeitslos", sagt Schacht.
Der WWF beschuldigt unter anderem Italien, illegale Praktiken zu decken. Die Italiener würden offiziell angeben, immer weniger Thunfisch zu fangen - dabei wachse die Flotte. Allein Italien müsste 30 Fischtrawler verschrotten, um auf ein nachhaltiges Fangniveau zu kommen. Auch Kroatien, Spanien und Libyen verschweigen ihre tatsächlichen Fangmengen.
Der Rote Thunfisch (Thunnus thynnus, auch: Atlantischer- oder Blauflossen-Thun) im Mittelmeer gilt als stark bedroht. Seit den 1970er Jahren sind seine Bestände an den wichtigen Laichplätzen um fast die Hälfte geschrumpft. Seit Jahren ignorieren Fischindustrie und Politik wissenschaftliche Empfehlungen, die Fangquoten drastisch zu senken.
So hatten Experten für 2008 eine Halbierung der Quote auf 15.000 Tonnen empfohlen - tatsächlich dürfen in der im April beginnenden Saison jedoch 29.000 Tonnen legal gefangen werden. Der wegen seines edlen Fleisches besonders teure Rote Thun wird vor allem in Japan und Europa konsumiert. Auch auf dem deutschen Markt spielt er eine Rolle - etwa in Sushi oder Sashmi-Gerichten. Hingegen wird Roter Thunfisch nicht in Dosen angeboten.
19.11.07 | Quellen: WWF|GRD - Umweltschützer kritisieren die anhaltend hohe Fangquote für den stark bedrohten Roten Thunfisch im Mittelmeer und im Ost-Atlantik. Die Quote für 2008 liegt mit 29.500 Tonnen genauso hoch wie in diesem Jahr. Dies haben die 45 Staaten der der Kommission zum Schutz des Atlantischen Tunfischs (ICCAT) bei ihrer zehntägigen Herbst-Konferenz im türkischen Antalya bestätigt. Umweltschützer aber auch die USA fordern dagegen ein mindestens dreijähriges Fangverbot für den begehrten Speisefisch. Selbst die Wissenschaftler der ICCAT warnen vor dem Zusammenbruch der Bestände.
"Dies ist ein neuer Akt in einer seit Jahren andauernden Tragödie, an deren Ende der Kollaps des Roten Tunfisch stehen könnte. Die Konferenz glänzte durch Inkompetenz. ICCAT ist unfähig, ein nachhaltiges Fischerei-Management zu etablieren", erklärte Dr. Sergi Tudela vom Mittelmeerprogramm des WWF.
Zwar sollen zukünftig die Fänge besser dokumentiert und ihren Weg vom Schiff bis in den
Supermarkt zu verfolgt und die illegale Fischerei eingedämmt werden, doch dürften diese Maßnahmen für das Überleben der Art zu spät kommen. Der Druck auf die Vorkommen des wertvollen Fisches, der in Japan, aber auch in europäischen Ländern ein beliebter Speisefisch für Sushi-Gerichte ist, nimmt seit Jahren zu. Weltweit gehen Wissenschaftler von einem Rückgang der Bestände um etwa 90 Prozent aus.
18.10.07 | Quellen: planetark.com|umweltschutz-news.de - Die USA wollen ein komplettes Fangverbot für Roten Thunfisch im Mittelmeer für fünf Jahre fordern, damit sich die Bestände erholen können. William Hogarth, Direktor der Fischereiabteilung der Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten (NOAA), wird dies bei der nächsten Tagung der International Comission for the Conservation of Atlantic Tuna (ICCAT) fordern (9. bis 18. November in Antalya, Türkei).
Nach neueren wissenschaftlichen Studien gibt es heute im Mittelmeer und im Ostatlantik nur noch etwa 6 Prozent der ursprünglichen Bestände dieser größten Thunfischart. Der Rote Thunfisch (Atlantischer Blauflossenthunfisch), Thunnus thynnus, ist mit über 4,5 m Länge ein räuberischer Gigant, der bis zu 700 kg und mehr auf die Waage bringen kann. Wegen seiner ungewöhnlich schnellen Reisegeschwindigkeit von bis zu 70 km/h wird er auch als "Ferrari" unter den Fischen bezeichnet. Eine Atlantikdurchquerung kann ein Roter Thun in nur 40 Tagen schaffen.
"Es gibt ein Problem mit der Fischerei", gibt Rafael Centenara, Vize-Direktor des spanischen Fischereiministeriums und ICCAT-Delegierter zu. Das durchschnittliche Gewicht der gefangenen Tiere betrug durchschnittlich etwa 140 Kilogramm. "In den vergangenen fünf bis zehn Jahren ist die Größe der Fische deutlich geringer geworden."
"Angesichts der eklatanten und andauernden Verstöße gegen die existierenden Fangquoten und Fangverbote sowie gegen die Meldepflicht der getätigten Fänge, ist ein Fangstopp die letzte Hoffnung, um die Katastrophe noch aufhalten zu können", erklärt Hogarth, der auch Vorsitzender der von EU-Staaten dominierten ICCAT ist.
Gerald Scott, Experte der NOAA und Vorsitzender des wissenschaftlichen Kommitees der ICCAT, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Bestände des Roten Thunfisch an einer kritischen Grenze sind. Würde diese überschritten, gäbe es für die Art kaum noch Rettungschancen.
Die von Vertretern aus 44 Nationen gebildete ICCAT hatte die Empfehlungen ihrer eigenen Wissenschaftler ignoriert und die Fangquoten für den Roten Thun doppelt so hoch wie empfohlen angesetzt. Auch Umweltschützer haben immer wieder darauf hingewiesen, dass es massive Verstöße gegen die offiziellen Fangquoten gibt und der Kommission den Spitznamen "International Commission to Catch All Tuna"
gegeben.
Besonders heikle Bereiche finden in der ICCAT offensichtlich kein Gehör. "Wir sind Freunde der Fische, aber mehr noch Freunde der Fischer", meint Centenara. Gerade in diesen Aussagen liegt das Problem, die Bestrebungen, die Fangquoten zu reduzieren, werden ständig unterlaufen. Ein Beispiel von vielen ist die Einhaltung der Schonzeit ab Juli. "Es sind einige Fischereiflotten auch noch nach Beendigung der Fangzeit gesehen worden", kritisiert Masanori Miyahara von der japanischen Fischereibehörde und ICCAT-Delegierter.
Ein weiteres Problem sind die Überkapazitäten der Fischereiflotten. Tatsächlich gehen die ICCAT-Experten davon aus, dass nur eine Verringerung der Fangquoten um 50 Prozent in naher Zukunft wieder zu einer Erholung der Bestände führen - und damit verbunden wieder höhere Fangquoten ermöglichen würde. Selbst der Versuch mit EU-Fördermitteln Schiffe außer Dienst zu setzen, fruchtete nicht. Viele der Fischereien nahmen das Geld und kauften damit noch größere Schiffe. Die alten Kutter wurden nach Libyen verkauft, wo damit munter weiter gefischt wird.
Im September hat die EU-Kommission gedroht, Griechenland, Malta, Portugal, Spanien, Italien, Frankreich und Zypern vor dem Europäischen Gerichtshof zu verklagen, wenn die Staaten nicht nachweisen, dass sie den Roten Thun nicht überfischen.
27.05.2007 | Quellen: tso | AFP - Zur Rettung der Thunfisch-Bestände will Japan die Fangquoten für Blauflossenthunfische in seinen eigenen Gewässern offenbar erheblich reduzieren.
Die japanische Fischereibehörde will bis Ende Juni einen Rat einrichten, der einen Plan zur Rettung des jungen Blauflossenthunfischs ausarbeiten soll, wie eine japanische Wirtschaftszeitung unter Berufung auf die Behörde berichtete. Der Plan soll bis Ende des Jahres vorliegen. "Wenn wir weiter jungen Thunfisch fangen, werden die Bestände leergeräumt und wir schneiden uns ins eigene Fleisch", zitiert die Zeitung einen Behördenmitarbeiter.
Japan hatte bisher keinerlei Restriktionen beim Fang von Thunfisch in seinen eigenen Gewässern erlassen. Japan und die Europäische Union vereinbarten jedoch Ende Januar eine schrittweise Absenkung der Fangquoten von Blauflossenthunfisch um 20 Prozent im Atlantik und im Mittelmeer bis zum Jahr 2010. Japan konsumiert ein Viertel des weltweiten Tunfisch-Fangs. In großen Mengen wird er für die Nationalgerichte Sushi und Sashimi verarbeitet.
28. Januar 2007 | Qullen: Focus-Online | SZ | GRD - Obwohl gleich mehreren Thunfischarten das Aus droht, konnten sich die Vertreter von 60 Staaten und der Industrie auf dem so genannten ersten "Thunfisch-Gipfel" in Kobe (Japan) nicht auf verbindliche Fangquoten verständigen. Nachdem bereits die EU ihr Todesurteil für die Bestände des Roten Thunfisches (Blauflossenthun) im Mittelmeer gefällt hat, geht der Vernichtungsfeldzug jetzt auch weltweit ungebremst weiter.
Japan und andere Länder gestanden zwar ein, dass die Thun-Fischerei in einer bedrohlichen Krise steckt. Doch blieb die Konferenz ohne konkrete Vereinbarungen. Lediglich auf einen wirkungslosen "Aktionsplan" konnte man sich verständigen. Dieser sieht vor, Daten zum internationalen Thunfischhandel effizienter zu erfassen und deren Auswertung zu koordinieren. Außerdem solle ein bald ein Katalog von Strafen für illegales Fischen erabeitet werden.
Während Masanori Miyahara von der japanischen Fischereibehörde von einem "großen historischen Schritt" zum Schutz des Thunfischs spricht, bewertet die GRD das Ergebnis der Konferenz als "einen weiteren Sargnagel für die besonders bedrohten Thunfischarten".
"Erneut hat sich die Lobby der Fischerei-Industrie gnadenlos durchgesetzt. Ohne Rücksicht auf zukünftige Generationen und den Erhalt der Biodiversität in den Meeren, wird mit immer größerem Aufwand der schnelle Profit gesucht, bis dass der letzte Fisch gefischt sein wird", so die GRD.
22. Januar 2007 | Qulle: WWF | GRD - Jährlich werden über vier Millionen Tonnen Thunfisch gefangen - eine Verzehnfachung gegenüber den 1950er Jahren und eine gravierende Übernutzung, die die Bestände einiger Thunfischarten weltweit an den Rand des Kollaps des gebracht hat. So fordern Meeresschützer anlässlich des jetzt Kobe, Japan, beginnenden so genannten ersten "Thunfisch-Gipfels" eine radikale Wende in der Fischereipolitik - wahrscheinlich erneut vergeblich.
Der Rote Thunfisch oder Blauflossenthunfisch zählt zu den am stärksten überfischten Fischarten der Weltmeere, sein Bestand ist im Indischen Ozean bereits um 90 Prozent geschrumpft. Erst kürzlich fällte die EU ihr Todesurteil für die Bestände dieser Thunfischart im Mittelmeer. Und die ostpazifische Flotte zum Fang von Gelbflossen- und Großaugenthun hat nach Angaben des WWF eine Überkapazität von rund 70 Prozent.
Zwar werden die Fischereiaktivitäten in internationalen Gewässern durch so genannte RFMOs (Regional Fisheries Management Organisations) überwacht, doch ist es bislang nicht gelungen, die Ausbeutung zu stoppen. Das Fischereimanagement ist schlecht, es gibt zu viel illegale Fischerei, die Fangquoten sind zu hoch, die Flotten zu groß.
Kurz gesagt: es fehlt weltweit der politische Wille, den Thunfisch zu retten, denn die Fischereilobby ist geradezu übermächtig, bringt doch der Export des wertvollen Fisches weltweit fast 3,9 Milliarden Euro im Jahr ein. Für Millionen Menschen geht unaufhaltsam aber sicher eine wichtige Einkommens- und Nahrungsquelle für immer verloren.
Die vom 22. bis 26. Januar dauernde Konferenz führt erstmals die fünf regionalen Kommissionen zum Thunfisch-Schutz zusammen. Gastgeber Japan ist das wichtigste Abnehmerland.
28. November 2006, Qullen: WWF / SZ / GRD - Gerade erst hatten Wissenschaftler eindringlich vor dem weltweiten Zusammenbruch sämtlicher kommerziell nutzbarer Fischbestände gewarnt, da fiel der Internationalen Kommision für den Schutz des Tunfisch im Atlantik (ICCAT) auf ihrem jährlichen Treffen in Dubrovnik nichts besseres ein, als die Fangquote für den Roten Tunfisch oder Blauflossenthunfisch (Thunnus thynnus) für 2007 im Mittelmeer nur geringfügig von 32 000 Tonnen auf 29 500 Tonnen zu senken.
Natur- und Meeresschützer quittierten die unverständliche Entscheidung mit Entsetzen. Die ICCAT ignorierte sogar den Rat ihres eigenen Wissenschaftsgremiums, das eine Halbierung der Fangquote gefordert hatte. Ebenso wurde eine Verlängerung der fangfreien Zeit während der Laichperiode abgelehnt, wie auch ein Wiederaufbauprogramm für die stark bedrohten Bestände.
Da die Thunfisch-Fänge im Mittelmeer durch illeagle Piratenfischerei tatsächlich um ein vielfaches über der jeweiligen offiziellen Quote liegen dürften, wird der Rote Thunfisch sicher bald aus dem Mittelmeer verschwunden sein. "Diese Entscheidung ist das Todesurteil für den Roten Tunfisch. Und die EU trägt die Hauptverantwortung in diesem traurigen Spiel", erklärt Dr. Sergi Tudela, Fischereiexperte des WWF-Mittelmeerbüros.
Der ICCAT gehören 42 Staaten an, darunter sämtliche EU-Mitgliedsstaaten und Japan. Die japanische Regierung hatte zwar die Reduzierung der Fangquoten in Dubrovnik mitgetragen und nannte sie einen wichtigen Beginn für den Erhalt der Thunfisch-Bestände, aber bereits jetzt werden steigende Sushi-Preise befürchtet. Dies werde den Preis für die japanischen Nationalgerichte Sushi und Sashimi "auf jeden Fall" beeinflussen, sagte ein Sprecher der Japaner. Die 127 Millionen Einwohner Japans verzehren Unmengen von Fisch und Meeresfrüchten. Besonders beliebt ist der lokal bereits fast ausgerottete Rote Thunfisch oder Blauflossenthunfisch, der in großen Mengen für Sushi, in dem er roh mit Reis serviert wird, und für das ebenso beliebte Sashimi, wo er ebenfalls roh, aber ohne Reis serviert wird, genutzt wird.
Wissenschaftlern zufolge wird derzeit weltweit dreimal mehr Thunfisch gefischt, als für den optimalen Erhalt notwendig wäre. So sind die Bestände des Roten Thun vielerorts, wie bei den Balearen, durch den enormen Fischereidruck zusammengebrochen oder stehen kurz davor. Allein die gesamten japanischen Importe aus dem Mittelmeer belaufen sich auf rund 25 000 Tonnen.
Der Rote Thunfisch ist ein räuberischer Gigant, der bis zu 700 Kilogramm auf die Waage bringen kann. Wegen seiner ungewöhnlich schnellen Reisegeschwindigkeit von bis zu 70 km/h wird er auch als "Ferrari" unter den Fischen bezeichnet. Eine Atlantikdurchquerung kann ein Roter Thun in nur 40 Tagen schaffen.
05.07.2006 - Quelle/Text: WWF - lllegale Fischerei bedroht nach einer aktuellen WWF-Studie die Thunfisch-Bestände in Mittelmeer und Ostatlantik. Der WWF dokumentiert, dass die Flotten der Europäischen Union, insbesondere Frankreichs, weil größere Mengen fangen, als die offiziellen Quoten erlauben.
Auch Libyen und die Türkei ignorieren die Höchstgrenzen. Der begehrte Rote Thunfisch (Thunnus thynnus) wird vor allem für die Trendspeise Sushi verarbeitet. Die Preise liegen bei über 150 Euro pro Kilo. Thunfisch ist damit ähnlich lukrativ wie Kaviar. Der wichtigste Markt ist Japan, aber auch Deutschland zählt zu den Abnehmern.
"Piraterie kommt leider nicht nur in Geschichtsbüchern vor. Die Kriminellen sitzen im Herzen Europas. Sie plündern mit dem Thunfisch einen der wertvollsten Schätze der Ozeane", so WWF-Fischereiexpertin Heike Vesper. Der WWF fordert einen sofortigen Fangstopp, bis ein Plan zur Wiederherstellung der Bestände ausgearbeitet ist.
Wie der WWF-Report nachweist, wurden die Fangquoten für den Roten Thunfisch in jüngster Zeit um über 40 Prozent überschritten. Statt der erlaubten 32.000 Tonnen entnahm die Fischindustrie 2004 etwa 44.949 Tonnen, 2005 sogar 45.547 Tonnen aus dem Mittelmeer und dem Ostatlantik. Die tatsächliche Menge lag in beiden Jahren sogar weit über 50.000 Tonnen. Diese Zahl bestätigen auch die Wissenschaftler des Internationalen Fischereiabkommens für den Atlantischen Thunfisch (ICCAT), das die Fanquoten festlegt.
Die Piratenfischer melden ihre Fänge häufig nicht, um so Kontrollen zu entgehen und Steuern zu sparen. Zudem wird der Thunfisch oftmals bereits an Bord verarbeitet und direkt an die Importländer geliefert.
Wichtigste Triebfeder für das illegale Geschäft ist laut WWF die ungezügelte Ausweitung der Fischzuchten im Mittelmeer. In den Aquakulturen werden im Meer gefangene Thunfische gemästet und dann weiter verarbeitet. Die Zucht gefährdet auch andere Arten, denn für jedes Kilo Thunfisch werden über 20 Kilo Fisch verfüttert.
Die Europäische Union subventioniert Zuchten und Fangflotten. "Der Raubbau wird aus Steuergeldern finanziert", erläutert Vesper. Der WWF fordert die EU auf, die Subventionen zu streichen und ihre tragende Rolle in der ICCAT zu nutzen, um die Plünderung zu stoppen. "Die EU-Kommission darf nicht länger zusehen, wie eine jahrhundertealte Fischerei zugrunde gerichtet wird."
Die Bestände des Roten Thunfischs sind massiv überfischt. So fangen traditionelle Fischer in der Straße von Gibraltar heute 80 Prozent weniger Thunfisch als noch zu Beginn der 1990er Jahre. Die großen Flotten weiten derweil ihre Fangzonen bis in die Brutgebiete des Thunfischs aus. "Es ist ein unheilvoller Wettlauf mit der Zeit, bei dem alle nur verlieren können. Die Thunfisch-Bestände kollabieren. Die Fischer verlieren ihr Einkommen. Und die Verbraucher müssen dauerhaft auf den schmackhaften Fisch verzichten", so Vesper.