29.6.2008 | Quelle: dpa - Die "Alpen der Tiefsee", eine Untersee-Bergkette mit bis zu 3500 Metern hohen Gipfeln, werden (fast) eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt. Darauf haben sich die 15 Staaten des Oslo-Paris-Abkommens (OSPAR) zur Bewahrung des Nordost-Atlantik in der französischen Stadt Brest geeinigt. Das Schutzgebiet am Mittelatlantischen Rücken liegt auf halber Strecke zwischen Island und den Azoren und entspricht etwa der Größe
Italiens.
Leider soll die Tiefseefischerei mit Schleppnetzen, die
am Meeresboden und an den Seebergen alles Leben vernichtende Schneisen der Verwüstung hinterlassen, nur eingeschränkt, und nicht gänzlich verboten werden.
Hoch
subventionierte Fangflotten jagen dort nach hoch profitablen Arten wie dem Granatbarsch. Dieser Fisch, der bis zu 100 Jahre alt wird uns sich erst von einem Alter
von 25 Jahren an fortpflanzt, gilt als besonders gefährdet. Die
Fischereikommission für den Nordost-Atlantik (NEAFC) hatte die
Grundschleppnetzfischerei bereits zuvor in einigen Gebieten eingeschränkt. Die
Tabuzonen werden jetzt immerhin ausgeweitet.
Der Schaden durch die bis zu Fußballfeld-großen Schleppnetze wird dadurch verschlimmert, dass sie mit sogenannten "Rockhoppern" (Felsenhüpfern) wie Gummikugeln geländegängig gemacht werden und so unbeschadet über felsigen Untergrund geschleppt werden können.
Die "Alpen der Tiefsee" bieten einen idealen Lebensraum für Korallen, Schwämme, Wale und Haie. Die Erforschung der Tiefseeberge steht noch am Anfang, viele Arten sind noch unentdeckt. Bis zu 40 Haifisch-Arten wurden hier schon gesichtet. Haifische sind wie der Granatbarsch wegen ihrer späten Fortpflanzung und geringem Nachwuchs besonders durch Überfischung bedroht. Auch Blauwale, die größten Lebewesen dieser Erde, durchziehen das neue Schutzgebiet auf ihren Wanderungen durch die Ozeane.
Der Mittelatlantische Rücken ist neben einem kleineren Gebiet im Mittelmeer weltweit erst das zweite Schutzgebiet außerhalb nationaler Gewässer. Bislang steht erst knapp ein halbes Prozent der Ozeane unter Schutz - die Schutzgebiete finden sich jedoch nahezu ausschließlich in den küstennahen Gewässern. Das neue Schutzgebiet entspricht den im Mai von der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn verabschiedeten Kriterien für den Hochseeschutz.
Presseerklärung der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC):
North-East Atlantic Fisheries Commission adopts comprehensive agreement to protect the deep-sea