09.04.2009 | Woods Hole/London | Quelle: dpa - Sonarimpulse von Kriegsschiffen können Delfine zeitweise taub machen. Das berichten Forscher um Aran Mooney von der Universität von Hawaii (USA) in den «Biology Letters» der britischen Royal Society.
Mooney hatte im ozeanographischen Institut in Woods Hole (US-Staat Massachusetts) einen bereits an Geräusche gewöhnten Großen Tümmler (Tursiops truncatus) mit Sonarimpulsen beschallt. Diese waren bei Militärübungen vor der amerikanischen Westküste aufgenommen worden, kurz bevor dort eine Gruppe von Meeressäugern gestrandet war.
Der Forscher sendete in das Tümmlerbecken ganz wie in der Situation im Ozean Dreiergruppen kurzer Pulse, sogenannter Pings, in wechselndem Abstand und wechselnder Lautstärke. Anschließend prüfte er mit leisen Tönen die Hörschwelle des Tieres. Dabei stellte er fest, dass häufiger wiederholte, laute Pings das Gehör des Tümmlers beeinträchtigten und ihn beunruhigten. Zu einem deutlich messbaren Hörverlust kam es allerdings erst bei Lautstärken von mehr als 200 Dezibel (dB) und mindestens fünf Schallgruppen. Nach 20 bis 40 Minuten normalisierte sich das Gehör des Tümmler wieder.
Diese Ergebnisse demonstrierten erstmals im Experiment die Wirkung von Sonar auf das Gehör von Meeressäugern, berichtet Mooney. Sonarimpulse werden typischerweise mit einer Lautstärke von mehr als 250 dB ausgestrahlt. Das bedeute, dass ein Tier sich über einige Minuten in weniger als 40 Metern Entfernung von einem Schiff aufhalten muss, um diejenige Schallintensität abzubekommen, die im Experiment zum zeitweisen Hörverlust führte. Die Experimente schließen aber nicht eine mögliche Wirkung dauerhafter Beschallung mit anderen Frequenzen oder niedrigerer Lautstärke aus, wie Mooney betont.
02.01.2009 | Quelle: schattenbllick.de - Die US-Navy hat sich mit einem Zusammenschluss von Walschützern, die gegen den Einsatz von aktiven Sonargeräten im mittleren Frequenzbereich geklagt hatten, darauf geeinigt, dass die Auswirkungen des Einsatzes militärischer Sonargeräte auf Meeressäuger genauer erforscht werden sollen, aber dass darüberhinaus der Navy keine weiteren Beschränkungen auferlegt werden.
Mit dem umstrittenen Sonar der US-amerikanischen Seestreitkräfte werden
regelmäßig kurze, explosionsartige Schallwellen ausgesandt. Aus dem
Reflexionsmuster schließen Soldaten auf die Präsenz und Entfernung von
U-Booten möglicher Widersacher. Walschützer gehen davon aus, dass das Sonar
zu Gewebezerstörungen in Hörorganen und zu Orientierungsverlusten von
Meeressäugern führen kann.
Vergangene Woche Freitag hatten die Kläger, zu denen der Natural Resources
Defense Council (NRDC), die
Cetacean Society International, die League for Coastal Protection, die Ocean
Futures Society und der Meeresforscher Jean-Michel Cousteau gehören, ihre am
19. Oktober 2005 bei einem kalifornischen Gericht eingereichte Klage gegen
die Navy zurückgezogen. Kläger und Beklagte haben sich darauf geeinigt, dass
die Navy ihr im August 2005 aufgenommenes Umweltanalyse- und
-forschungsprogramm fortführt, teilte das Pressebüro der U.S. Navy am 27.
Dezember mit. Die Navy werde eine Reihe von Schutzmaßnahmen, wie sie
früher mit der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA)
ausgearbeitet worden seien, ergreifen.
Frank R. Jimenez, Rechtsanwalt der Navy, zeigte sich zufrieden, dass nach
drei Jahren des Prozessierens "endlich eine zufriedenstellende Lösung" gefunden wurde. Die Navy begrüße eine Einstellung, die sich mehr auf
wissenschaftliche Forschungen als auf Prozesse stütze, erklärte er. Die
Einigung sieht unter anderem vor, dass die Navy, die eigenen Angaben zufolge
im Haushaltsjahr 2008 26 Mio. Dollar in ein Forschungsprogramm für
Meeressäuger investiert hat, in den nächsten drei Haushaltsjahren insgesamt
14,75 Mio. Dollar aus dem Forschungsbudget für Meeressäuger abzweigen wird,
um die Kläger bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Einigung bestätige die
Verpflichtung der Navy, einen Ausgleich zu schaffen zwischen ihrer Bedeutung
im Umweltschutz und der Verantwortung, das öffentliche Interesse an
nationaler Sicherheit zu schützen, indem sie die Fähigkeit zu realistischen
Übungen bewahre, heißt es in der Presseerklärung.
Auch der NRDC zeigte sich zufrieden ob des Ergebnisses. Die Erklärung auf
der Website der Organisation klingt ähnlich wie die der Navy: "Nach Jahren
des Prozessierens gegen die US-Navy wegen ihrer Weigerung,
Umweltfolgenabschätzungen für Sonar-Übungen durchzuführen, wurde am Samstag
eine Einigung erzielt, durch die die Navy verpflichtet wird, ein Programm
mit vollständigen Umweltgutachten in größeren Übungsgebieten auf der ganzen
Welt abzuschließen."
Außerdem müsse die Navy zuvor geheimgehaltene Informationen über den
Sonar-Einsatz freigeben und sei verpflichtet, fast 15 Mio. Dollar für die
Erforschung der Meeressäuger nach den Vorstellungen des NRDC und der
Mitkläger freizugeben.
Aus nachvollziehbaren Gründen ist die Naturschutzorganisation um den
Eindruck bemüht, sie gehe erhobenen Hauptes aus dem Konflikt hervor. Daran
bestehen jedoch Zweifel. Das Kernanliegen der Kläger bestand darin, den
Einsatz jener destruktiven Sonargeräte in Weltregionen, in denen
Meeressäuger wie Wale oder Delphine leben, zu unterbinden. Dieses Ziel wurde
nicht erreicht. Mit der Einigung, dass die Navy die Auswirkungen der
Sonargeräte auf Meeressäuger erforschen soll, bleiben den Militärs viele
Möglichkeiten offen, sich von einschränkenden Auflagen freizuhalten.
Es fällt auf, dass der NRDC nicht erwähnt, dass die fast 15 Mio. Dollar
Forschungsgelder über drei Jahre verteilt werden, und dass auf der Website
umgekehrt betont wird, die Navy habe anerkannt, dass Sonarpulse zu
Verletzungen der Meeressäuger führen können. Das ist jedoch keineswegs eine
neue Mitteilung. Bereits am 22. November 2005 hatte Eugene H. Buck in einem
Navy-Forschungsbericht an den Kongress die Möglichkeit, dass Schallpulse von
aktiven Sonargeräten zu organischen Schädigungen und Verhaltensänderungen
führen können, eingeräumt.
Die aktuelle Einigung zwischen Tierschützern und Militärs kam offensichtlich
deswegen zustande, weil das Oberste Gericht der USA im vergangenen November
bei einer ähnlichen Klage der Walschützer gegen die Verwendung des
Sonargeräts zugunsten der Navy entschieden und damit die Urteile
untergeordneter Gerichte aufgehoben hatte. Das Oberste Gericht befand, dass
Übungen zur Sicherung und Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit wichtiger
sind als der sich aus dem Abschalten des Sonars ergebende Schutz der
Meeressäuger. Damit tendierten die Chancen der Walschützer auf Erfolg
vor Gericht gen Null, und so blieb ihnen anscheinend nichts anderes übrig,
als sich weitgehend den Vorstellungen der Navy anzuschließen.
Mit der Einigung zugunsten der Navy wird ein Rechtsverständnis tiefer
befestigt, bei dem das US-Militär von Verpflichtungen aus Umweltabkommen zum
Schutz der Arten, der Meeressäuger, zur Reinhaltung der Luft, etc.
ausgenommen wird. Das Militär soll die Gesellschaft schützen, stellt sich
aber gewissermaßen außerhalb der Gesellschaft, indem es eine
Sonderbehandlung beansprucht. Das ist insofern bedenklich, als dass damit
eine prinzipielle Einstellung zum Ausdruck gebracht wird. Außerdem wird der
aufkeimenden Unruhe innerhalb der Vereinigten Staaten darüber, dass das
Militär künftig gegen die eigene Bevölkerung vorgehen könnte, sollten Armut
und Hunger im gleichen rasanten Tempo zunehmen wie im vergangenen Jahr,
Nahrung geliefert.
Wenn eine Gesellschaft vor dem eigenen Militär, von dem sie eigentlich
Schutz erwartet, geschützt werden muss, kann mit dem gesamten System etwas
ganz gehörig nicht stimmen. Im aktuellen Fall wurde das Interesse nicht
weniger US-Einwohner, die nicht wollen, dass Meeressäugern Schaden zugefügt
wird, zugunsten der Position des Militärs übergangen.
05.08.2008 | Quelle: ddp/wissenschaft.de/Nature Onlinedienst - Schnabelwale verändern ihr Verhalten, wenn sie militärischem Sonar ausgesetzt sind. Das hat eine Studie des britischen Militärs ergeben. Laut des Onlinedienstes der Fachzeitschrift "Nature" beschreiben Wissenschaftler in dem unveröffentlichten Report die Auswirkungen der Echoortung auf Schnabelwale während eines Marinemanövers der britischen Streitkräfte. Dabei verfolgten die Forscher die Aktivitäten der Wale mit Hilfe von Unterwassermikrophonen, sogenannten Hydrophonen. Während des Einsatzes von aktivem Sonar durch Schiffe beobachteten die Wissenschaftler eine deutliche Verhaltensänderung der Wale: Die Meeressäuger stellten ihre Futtersuche ein und tauchten nicht mehr ab – selbst bei Lautstärken, die keine direkte Gefahr für die Tiere darstellten.
Ursprünglich war der Report aus dem Jahr 2007 nicht für die Veröffentlichung vorgesehen. Erst Nachfragen von Mitarbeitern von "Nature" führten zu seiner Freigabe. Informationen über die Verfasser sowie über Ort und Teilnehmer des Marinemanövers wurden dabei allerdings entfernt. Das Manöver mit dem Namen "Operation Anglo-Saxon 06" fand aber wahrscheinlich in der Nähe der Bahamas statt, schließen die Journalisten aus Details der Untersuchung.
Die unbekannten Verfasser des Reports schätzen vor allem die indirekten Folgen des Sonareinsatzes als gefährlich ein. Die geringere Futteraufnahme während der Echoortung könnte zu Langzeitschäden bei ganzen Walpopulationen führen, befürchten die Forscher. Als Beleg für die Wirkung des Sonars führen die Wissenschaftler die Zahl der Wallaute an, die während des Manövers mit den Unterwassermikrophonen aufgenommen wurden. Vor dem Manöver waren rund 200 Walgeräusche zu hören, während des Manövers sank diese Zahl auf unter 50.
Eine mögliche Erklärung dafür könnte in der Ähnlichkeit von Sonargeräuschen mit den Lauten von Killerwalen liegen, vermutet Peter Tyack von der Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts. Demnach reagieren Schnabelwale auf die künstliche Echoortung ähnlich wie auf die Geräusche räuberischer Orcas und stellen die Futtersuche ein. Entsprechende Versuche am AUTEC, einer Forschungseinrichtung des US-Militärs auf den Bahamas, hätten diese Vermutung bestätigt, berichtete Tyack auf der Konferenz "Acoustics 2008" in Paris. Forscher wollen diese Erkenntnis nun dazu benutzen, Sonargeräusche zu entwickeln, die nicht mehr wie ein Killerwal klingen.
Siehe auch: Tödliches Missverständnis - Warum Schnabelwale nach Sonarübungen massenhaft stranden (Deutschlandfunk - Forschung Aktuell)
02.03.08, Quelle: AP - Hoffnungsschimmer für Wale und Delfine: Zum Ärger der amerikanischen Marine hat ein Gericht Sonar-Versuche der US-Marine verboten.
Das Berufungsgericht wies einen entsprechenden Einspruch der Marine gegen die Beschränkungen zurück. Umweltschützer machen geltend, dass die Sonar-Signale zur Strandung von Walen und anderen Schäden bei Meerestieren führen können.
Laut der Verfügung gilt vor Südkalifornien eine 22 Kilometer breite Verbotszone für Sonar. Dies könnte nun Auswirkungen auf Übungen haben, die noch in diesem Monat in dem Seegebiet beginnen sollen.
Ein ähnliches Verbot wie in Kalifornien wurde auch für ein Seegebiet um Hawaii verhängt.
Zerstörer und Kreuzer sollen G8-Gipfel in Heiligendamm sichern | NABU, GSM und GRD fordern US-Botschafter zum Einsatzverzicht auf | Mehrfach Strandungen von Walen nach Gebrauch des Ortungsgeräts
04.04.2007 NABU/GRD/GSM - Der Naturschutzbund Deutschland (NABU), die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) haben in einem offenen Brief den amerikanischen Botschafter, William R. Timken jr., dringend aufgefordert, dass die zur Bewachung des vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm stattfindenden G8-Gipfels in der Ostsee eingesetzten Schiffe der US-Kriegsmarine keine Mittelfrequenzsonare einsetzen. Ein Einsatz des zur U-Boot-Suche verwendeten Sonars wäre für in der Nähe befindliche Schweinswale absolut tödlich. Aus den USA ist eine Massenstrandung von Schweinswalen nach dem Sonareinsatz dokumentiert.
Die US-Regierung plant, zum Schutz von Präsident George W. Bush während des G8-Gipfels, eine Fregatte und einen Zerstörer in die Ostsee zu entsenden, die den Tagungsort seewärtig sichern sollen.
Es sollen ein Zerstörer der Arleigh-Burke Klasse und ein Kreuzer der Ticonderoga Klasse eingesetzt werden. Diese Schiffe haben das taktische Mittelfrequenzsonar AN/SQS-53C an Bord von dem eine tödliche Wirkung für Meeressäugetiere ausgeht.
"Der ohnehin stark bedrohte Bestand unserer letzten Ostseeschweinswale darf nicht auf dem Altar der Terrorabwehr geopfert werden", mahnen die drei Naturschutzverbände.
Faktenblatt Bedrohung von Ostseeschweinswalen durch G-8-Gipfel in Heiligendamm (ca. 70kb) ![]()
+++ Offener Brief an US-Botschafter William R. Timken jr. +++
Sehr geehrter Herr Botschafter,
anlässlich des G8-Gipfels vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm plant Ihre Regierung zum Schutz des Präsidenten eine Fregatte und einen Zerstörer in die Ostsee zu entsenden, die den Tagungsort seewärtig sichern sollen. Unter anderem ist der Einsatz eines Zerstörers der Arleigh-Burke Klasse geplant. Diese Schiffe haben das taktische Mittelfrequenzsonar AN/SQS-53C an Bord, von dem eine tödliche Wirkung für Wale ausgeht.
Der Einsatz eines derartigen Sonars wird in Verbindung mit der Massenstrandung von Schweinswalen und massiven Störungen anderer Meeressäugetiere im Puget Sound an der Westküste Kanadas im Mai 2003 gebracht. Weiter sind diese und andere Mittelfrequenzsonare verantwortlich für mittlerweile eine Vielzahl von Massenstrandungen von Schnabelwalen und anderen Walarten, die regelmäßig nach Militärmanövern an Land gespült werden.
In der Ostsee leben zwei getrennte Populationen von Schweinswalen, von denen die östliche hochgradig vom Aussterben bedroht ist. Experten schätzen deren Bestand auf weniger als 600 Tiere. Auch die Zahl der westlichen Population ist stark rückläufig. Beide Populationen kommen im weiteren Umkreis von Heiligendamm vor.
Taktische Mittelfrequenzsonare haben einen Lärmpegel von 235 dB (re 1µPa @ 1m). Ein tödliches Verletzungsrisiko (akustisches Trauma) sowie das Risiko für Gehörschäden bei Meeressäugetieren sind erheblich, noch in einer Entfernung von vielen Kilometern. Die Kommunikation zwischen Muttertieren und ihren Kälbern kann in einem noch größeren Umkreis erheblich beeinträchtigt werden.
Im Juni sind die Schweinswalkälber in der Ostsee noch sehr jung und daher besonders anfällig. Bei einer Trennung von der Mutter ist das Kalb nicht überlebensfähig. Darüber hinaus kommt es zu erheblichen Störungen bei den empfindlichen Meeressäugetieren.
Wir fordern die amerikanische Regierung nachdrücklich auf, keine Mittelfrequenzsonare in der Ostsee zu verwenden um den ohnehin stark bedrohten Bestand der Ostseeschweinswale keinen zusätzlichen Risiken auszusetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Olaf Tschimpke
Präsident Naturschutzbund NABU
Ulrich Karlowski
Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD)
Petra Deimer
Gesellschaft zum Schutze der Meeressäugetiere (GSM)
22.08.2006 - Quelle: ddp/wissenschaft.de / John Hildebrand (Scripps-Institut für Ozeanographie, La Jolla) - In den Weltmeeren wird es ständig lauter: Allein innerhalb der vergangenen vierzig Jahre hat sich der Schallpegel im Pazifischen Ozean verzehnfacht, haben amerikanische Forscher bei einem Vergleich akustischer Daten aus der Tiefsee nachgewiesen. Zurückgeführt werden kann der enorme Anstieg der Hintergrundgeräusche nach Ansicht der Wissenschaftler hauptsächlich auf den Schiffsverkehr. So hat nicht nur die Anzahl, sondern auch deren Größe und Leistung der Schiffe zugenommen. Welche Konsequenzen dieser Lärmpegel für die Lebewesen in den Ozeanen hat, könne heute nicht einmal annähernd abgeschätzt werden.
Für ihre Auswertung nutzten die Wissenschaftler zwei Messreihen, die in etwa 1.000 Metern Tiefe vor der Küste von Kalifornien in der Nähe der Kanalinsel San Nicolas Island aufgezeichnet worden waren. Der erste Datensatz stammte aus den Jahren 1964 bis 1966 und entstand im Rahmen des amerikanischen Sound Surveillance System, einem akustischen Überwachungsprogramm, mit dem Bewegungen von fremden U-Booten verfolgt werden sollten.
Der zweite Satz wurde im Winter 2003/2004 an der gleichen Stelle mit einem automatischen Unterwassermikrophon etwa zehn Meter über dem Meeresboden aufgenommen.
Zwischen den beiden Messungen gab es einen deutlichen Unterschied, zeigte die Auswertung: Im Frequenzbereich zwischen 30 und 50 Hertz, der typisch für Schiffsverkehr ist, lag der Schalldruckpegel bei der späteren Messung im Schnitt um 10 Dezibel höher als bei der früheren. Dieser Faktor zehn kann jedoch nicht nur auf den Anstieg der Flottengröße zurückgeführt werden, die sich zwischen 1965 und 2003 etwa verdoppelt hat, errechneten die Forscher.
Vielmehr scheine auch jedes einzelne Schiff lauter zu sein als früher. Verantwortlich dafür könnten ihrer Ansicht nach etwa die Zunahme der Ladekapazität und der Anstieg der Motorleistung sein. So haben sich beispielsweise sowohl der Brutto-Rauminhalt als auch die Motorleistung der Schiffe im gleichen Zeitraum etwa vervierfacht. Außerdem verbringen die einzelnen Schiffe dank der kürzeren Abfertigungszeiten insgesamt mehr Tage auf See als früher.
Obwohl die Daten lediglich an einer einzelnen Stelle aufgenommen worden sind, seien sie repräsentativ für den gesamten Nordostpazifik, schreiben die Forscher. Die starke Zunahme der Lärmbelastung in der Tiefsee halten sie für sehr bedenklich. Es müsse dringend untersucht werden, ob die steigenden Schallpegel Auswirkungen auf die Tierwelt hat - wenn ja, müsse nach einer Möglichkeit gesucht werden, die Tiere vor dem Krach zu schützen, etwa indem Schiffsrouten verlegt werden.
Eine amerikanische Bundesrichterin verbot Ende August 2003 Versuche mit der neuen Niedrig-Frequenz-Sonartechnologie (LFAS) in US-Gewässern.
Richterin Elizabeth Laporte argumentierte, dass dieses Sonar Meeressäuger und Fische gefährdet, berichtete der San Francisco Chronicle. Insgesamt gilt das LFAS-Verbot für eine Gesamtfläche von 22,4 Millionen Quadratkilometer im Pazifischen Ozean.
Damit sind jetzt 40 Prozent der amerikanischen Hoheitsgewässer im Pazifik unter Schutz gestellt. Der US-Navy bleibt vorerst nur die Möglichkeit, LFAS in weniger artenreichen Gebieten durchzuführen. Nach Ansicht von Richterin Laporte verstößt diese Technologie gegen verschiedene US-Gesetze zum Schutz von Meeressäugern und der Umwelt. Auslöser des Verfahrens war ein Vorfall aus dem Jahr 2000. Damals hatte die amerikanische Marine vor den Bahamas Sonartests durchgeführt, woraufhin mehrere Schnabelwale starben.
Vertreter der Navy zeigten sich über das Verbot empört. Mehr als zehn Millionen Dollar hat man für die LFAS-Entwicklung bereits ausgegeben. Für die "nationale Sicherheit" wollen die Streitkräfte zwei LFAS-Schiffe zum Aufspüren feindlicher relativ leiser dieselbetriebener U-Boote einsetzen.
Diese Schiffe sind mit 18 Lautsprechern ausgestattet und senden Schallwellen mit Frequenzen zwischen 250 und 500 Hertz und einem Schalldruck von bis zu 215 Dezibel aus, die sich über Hunderte von Kilometern ausbreiten.
Tier- und Naturschutzorganisationen wie die GRD haben mehrfach davor gewarnt, dass Sonarwellen bei Meeressäugern schwere Schäden in deren Orientierungssystem verursachen. So stellten Wissenschaftler bei gestrandeten Walen Verletzungen im Hirn- und Ohrenbereich fest, die zu tödlichen inneren Blutungen führten. Die GRD hat sich zusätzlich im Rahmen der European Coalition for Silent Oceans für eine weltweite Einstellung sämtlicher Unterwassersonarversuche eingesetzt.
Der schwere Rückschlag für die US-Navy ist allerdings nur ein Etappensieg, da die Entscheidung Sonartests oberhalb des LFAS-Frequenzbereichs nicht berührt. Diese Frequenzen sind ebenso tödlich und haben bereits mehrfach Strandungen von Meeressäugern verursacht.
GRD-Presse
Quelle: bdw - Die amerikanische Marine hat erstmals zugegeben, dass die Sonargeräte ihrer Schiffe Wale töten können. Bei sechs Meeressäugern, die kurz nach einer Marineübung gestrandet waren, konnten Wissenschaftler der U.S. Navy und des Nationalen Meeresfischerei-Dienstes der Vereinigten Staaten die Schiffssonare als Todesursache ausmachen.
Die Forscher hatten Gewebeproben untersucht, die unabhängige Meeresbiologen von den im März 2000 gestrandeten Walen genommen hatten. Daraus schließen sie, dass eine "ungewöhnliche Kombination" von Faktoren - wie etwa die Oberflächenstruktur des Meeresbodens und die Wasserbedingungen - dazu beigetragen haben, die Sonargeräusche zu kanalisieren und zu verstärken.
Wie die Schallenergie letztlich die Ohren oder andere Gewebe der Wale verletzt habe, sei unbekannt, sagen die Wissenschaftler. Der Schall mache die Meeressäuger vermutlich benommen und verwirre sie, so dass die Tiere stranden oder Attacken von Feinden wehrlos ausgeliefert sind.
Bei zukünftigen Übungen will die Navy nach eigenen Angaben vermeiden, unter ähnlichen Bedingungen Sonar einzusetzen. Die Erkenntnisse könnten auch die Pläne der Navy beeinflussen, stärkere Sonargeräte für die Langstreckenerkennung von U-Booten zu entwickeln.
Oktober 2003 - 14 Schnabelwale strandeten im September 2002 binnen weniger Stunden auf Lanzarote und Fuerteventura (Kanarische Inseln) unmittelbar nach einem unter spanischem Kommando im angrenzenden Seegebiet abgehaltenen Marinemanöver.
Britische Wissenschaftler untersuchten die Kadaver und bestätigen jetzt einen lang gehegten Verdacht: Die Tiere starben durch das von den Kriegsschiffen eingesetzte Unterwasser-Sonar.
Die Forscher konnten nach pathologischen Untersuchungen nachweisen, dass militärischer Sonareinsatz bei Walen die so genannte Taucherkrankheit auslöst und sie dadurch tötet. Das Unterwassersonar führt demnach zur Bildung von Gasbläschen im Gewebe der Tiere und damit zu einem der Taucherkrankheit ähnlichen Phänomen.
Diese bei Tauchern gefürchtete Erkrankung wird durch zu rasches Auftauchen ausgelöst. Dabei entsteht ein zu großes Gefälle zwischen dem Außendruck des Wassers und dem Körperinnendruck im Gewebe und Blut der Taucher. Als Folge kann unter atmosphärischen Bedingungen eingeatmeter und beim Tauchgang in Blut, Gewebe und im zentralen Nervensystem akkumulierter Stickstoff nicht schnell genug über die Lunge als Gas abgeatmet werden.
Der Stickstoff geht bereits im Gewebe in Form von Mikroblasen aus der Lösung - vergleichbar mit dem Öffnen einer Sprudelflasche - und verursacht tödliche Schädigungen der betroffenen Gewebe und des zentralen Nervensystems. Bisher ging man davon aus, dass Wale vor dieser Erkrankung gefeit sind.
Bei der Autopsie der am Strand von Fuerteventura und Lanzarote gestrandeten Schnabelwale sowie weiterer bei Großbritannien in den letzten 11 Jahren gestrandeter Arten wie Rundkopfdelfinen oder Gemeinen Delfinen fanden die Forscher allerdings Gasbläschen in Blutgefäßen und Organen, insbesondere der Leber, die zwischen 5 und 90 Prozent nur noch aus gasgefüllten Hohlräumen bestand.
Wie genau akustische Signale die Taucherkrankheit bei Walen auslösen, ist noch unklar. Möglicherweise beeinflussen sie das Verhalten der Tiere und zwingen sie, einen zu schnellen Auftauchvorgang einzuleiten. Andererseits wird auch ein direkter physikalischer Effekt der mit teilweise extrem starken Schalldrücken ausgesandten Sonarfrequenzen nicht ausgeschlossen.
GRD-Presse