Offshore-Windenergie: Gefahr für Meeressäugetiere?

Klimaschutz kontra Naturschutz?

Windturbine im Rostocker Überseehafen (Foto: BMU / Thomas Härtrich)12.07.2008 - So richtig und wichtig der Kampf gegen die globale Klimaerwärmung ist, er darf nicht zu Lasten der Umwelt gehen, die man eigentlich durch Klimaschutzmaßnahmen schützen möchte. Doch genau dies geschieht: Vermeintlich klimafreundliche Technologien erweisen sich zunehmend als Umweltkiller. Angefangen vom Primärregenwälder und landwirtschaftliche Ertragsflächen zerstörenden Anbau von Pflanzen zur Biokraftstofferzeugung (Agrokraftstoffe/Biosprit), über die unerwartete Renaissance der Atomkraft bis hin zum rücksichtlosen Ausbau von Offshore-Windenergieanlagen an unseren Küsten.

Und spätestens als die Bundesregierung angesichts stetig steigender Gas- und Ölpreises bekannt gab, verstärkt auf Windenergie zu setzen, steht einem hemmungslosen Ausbau dieser Energiequelle nicht mehr viel im Wege. Da kümmern auch ein paar vom Aussterben bedrohte Schweinswale wenig, die durch während der Bauarbeiten sogar vermeidbare Schallemissionen aus ihren Lebensräumen vertreiben oder getötet werden könnten. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD), für den Naturschutz offenbar lediglich ein planerisches Ärgerniss ist, hat bereits einen Raumordnungsplan zum Bau von bis zu 30 Windparks in der Nord- und Ostsee fertiggestellt. Das Bundesumweltministerium (BMU) gibt geflissentlich Geleitschutz und verbreitet beschönigende Erklärungen.

Es ist eine Farce, wenn der Bau von als klimafreundlich geltenden Offshore-Windenergieanlagen nun die Kinderstube bedrohter Schweinswale verwüstetBereits im Mai begannen die Bauarbeiten für den dänischen Windpark "Horns Rev 2" westlich von Blåvands Huk, denkbar ungünstig genau in der Zeit, in der Schweinswale ihre Jungen gebären. In dem betroffenen Gebiet kommen sie in dieser Zeit nicht nur in besonders hoher Dichte vor, es ist auch noch ihre wichtigste Kinderstube.

„Es ist eine Farce, wenn der Bau von als klimafreundlich geltenden Offshore-Windenergieanlagen nun die Kinderstube bedrohter Schweinswale verwüstet“, beklagten GRD, NABU und Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) in einer gemeinsamen Presseerklärung.

GRD, NABU und GSM fordern, wirksame Schallschutzmaßnahmen beim Bau aller Offshore-Installationen. Gerade für die Errichtung der Fundamentpfähle sind diese bereits erprobt und wirksam. Aus Kostengründen wollen jedoch viele Windparkbetreiber auf deren Einsatz verzichten.

Der bedenkenlose Klima-Aktionismus der Bundesregierung, der schon beim Biosprit-Desaster eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde, wird unsere heimische Artenvielfalt mit voller Wucht treffen. Lebensräume werden zu lebensfeindlichen Wüsten klimageschützt und bedrohte Tierarten – wenn auch klimafreundlich – ausgerottet.
Ulrich Karlowski
copyright Foto Windturbine: BMU / Thomas Härtrich

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Damit Schweinswale nicht schwerhörig werden

28.02.2008, Oldenburg/Wilhelmshaven | Quellen: ddp|adhoc-news - Der von Windpark-Baustellen auf See ausgehende Lärm könnte für die geräuschempfindlichen Schweinswale in der Nordsee zur Bedrohung werden. "Der enorme Lärm, der durch das Rammen der dicken Pfähle in den Meeresgrund entsteht, kann beim Schweinswal zu Hörschädigungen führen", sagt der Physiker und Akustiker Manfred Schultz von Glahn vom Institut für technische und angewandte Physik (ITAP) in Oldenburg. Die Wissenschaftler sehen den Lebensraum dieses kleinen Tümmlers vor der ostfriesischen Nordseeküste deshalb als gefährdet an.

"Sollten die Wale sich in einem Radius unterhalb von etwa 1700 Metern zur Baustelle aufhalten, kann es für sie schwerwiegende Folgen haben", sagt der Wissenschaftler. Beim ITAP wird in Zusammenarbeit mit der Universität Hannover und dem Deutschen Windenergie-Institut in Wilhelmshaven im Auftrag des Bundesumweltministeriums nach Lösungen geforscht, um den Baulärm auch zum Wohle der Schweinswale zu minimieren.

Die Zeit drängt, denn schon im Sommer soll «alpha ventus», ein Großprojekt der Energieversorger E.ON, EWE und Vattenfall, als erster Offshore-Windenergiepark unter Hochseebedingungen realisiert werden. 45 Kilometer vor der Insel Borkum sollen in zwei Bauabschnitten insgesamt zwölf Windenergieanlagen entstehen.

Dem bisher relativ unerforschten Leben der Schweinswale geht man auch im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven auf den Grund. Dort sollen ab März gezielt alle Sichtungen des kleinen Tümmlers ausgewertet werden, um herauszufinden, wie viele dieser Meeressäuger tatsächlich vor der niedersächsischen Küste leben.

"1994 wurde der Bestand von Schweinswalen in der zentralen und südlichen Nordsee auf rund 170 000 Tiere geschätzt", sagt Richard Czeck, der bei der Nationalparkverwaltung für Meeressäuger zuständig ist. Durch den Bau der geplanten Offshore-Windparks sieht auch er den Bestand dieser Meeressäuger in Gefahr: "Die Schweinswale werden im besten aller Fälle nur vertrieben, Hörschädigungen sind jedoch wahrscheinlich." Da die Schweinswale vor allem mit Hilfe des Ultraschalls navigieren und sich orientieren, treffe sie der Baulärm an ihrer empfindlichsten Stelle. "Sie brauchen ihr Gehör, um erfolgreich Fische zu jagen. Ist es gestört, sind sie nicht lebensfähig", warnt Czeck.

"Der Schall, der beim Rammen der meterdicken Pfähle für die Fundamente von Offshore-Windanlagen in den Meeresgrund entsteht, soll reduziert werden", sagt ITAP-Wissenschaftler Schultz von Glahn. Dafür führen er und seine Forscherkollegen Untersuchungen beim Bau von Forschungsplattformen in der Nord- und Ostsee und an einem Testpfahl in der Ostsee vor Travemünde durch. Mindestens 225 Dezibel ist jeder Rammstoß laut, wie Wissenschaftler des Forschungs- und Technologiezentrums Büsum herausgefunden haben. Bei rund 200 Dezibel Lautstärke kommt es demnach bei den hörempfindlichen Schweinswalen jedoch schon zu kurzzeitiger Schwerhörigkeit.

Damit das möglichst nicht passiert, favorisieren die Forscher des ITAP eine Schallschutzhülle. Diese ist entweder aufblasbar oder besteht aus stark lufthaltigem Material wie Schaumstoff und wird um den Pfahl gelegt. Dadurch werde der Schall im Wasser stark abgeschwächt. Dieses Verfahren sei bereits erfolgreich am Testpfahl vor Travemünde erprobt worden. "Wie es jedoch unter Hochseebedingungen funktioniert, werden wir erst sehen, wenn der erste Offshore-Windpark im Sommer gebaut wird", sagt Schultz von Glahn.

Beim Energiekonzern Vattenfall ist man sich sicher, dass die Geräuschbelästigung durch Bau und Betrieb des Offshore-Windparks vergleichsweise gering ausfallen werde. "Weiteres muss nun durch die ökologische Begleitforschung geklärt werden", sagte Konzernsprecherin Katharina Bloemer.

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Planungen für mittlerweile über 50 Offshore-Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee haben Naturschützer aufgeschreckt

Welchen Einfluss haben Windparks auf hoher See mit hunderten, bis 150 Meter hohen Windrädern auf die Meeresumwelt?

Einen Teilaspekt dieser Frage, das Verhalten von Schweinswalen und Seehunden im Einflussbereich des Unterwasserschalls von Windgeneratoren, bearbeiten die beiden Kieler Meeressäugerspezialisten Prof. Dr. Boris Culik und Sven Koschinski. Die GRD beteiligte sich an der Finanzierung einer Pilotstudie der beiden Forscher.

Bericht von Sven Koschinski:
Schweinswale in freier Wildbahn zu erforschen ist eine Herausforderung - naturgemäß halten sie sich überwiegend unter der Wasseroberfläche auf und sind außerdem noch recht scheu. Die auftauchenden Schweinswale sind zwischen den Wellen der Nord- oder Ostsee kaum auszumachen.

Ein Untersuchungsgebiet mit idealen Bedingungen fand sich in den geschützten Fjorden an der Westküste Kanadas. Das Oberflächenverhalten dort lebender Schweinswal- und Seehundpopulationen konnte mit Hilfe eines Theodoliten (Gerät aus der Vermessungstechnik) beobachtet und jeder Auftauchpunkt genau vermessen werden.

Die Schweinswale wurden unter Wasser noch zusätzlich mit einem Klickdetektor belauscht, der das Biosonar der Tiere erfasst und die Anzahl der Echoortungs-Klicks im 10-Sekunden-Rhythmus registriert. Damit konnten erstmals genaue Sichtbeobachtungen und akustische Messungen "übereinander gelegt" werden.

Unterwasserlautsprecher zur Schallsimulation einer Offshore-WindkraftanlageGeräusche schwedische Offshore-Windenergieanlagen wurden den Meeressäugetieren mit einem CD-Player und einem über 70 kg schweren Unterwasserlautsprecher vorgespielt. So simulierten wir für die bis dahin ungestörten kanadischen Tiere die Geräuschkulisse in der Umgebung einer Windenergieanlage. Wir konnten innerhalb von zwei Wochen die Reaktionen von über 800 Schweinswalgruppen und über 300 Seehunden erfassen.

Die Ergebnisse sind überraschend. Die Schweinswale und Seehunde hielten im Schnitt einen größeren "Sicherheitsabstand" zur Schallquelle ein, wenn die Geräusche abgespielt wurden, doch ein Ausschlussgebiet rundherum, wie wir es in einem früheren Versuch mit Piepern (1) festgestellt hatten, konnte nicht beobachtet werden. Einige Tiere tauchten sogar wiederholt unmittelbar neben dem Unterwasserlautsprecher auf.

Die Schweinswale setzten bei angeschaltetem Geräusch ihr Biosonar etwa doppelt so häufig ein wie im Kontrollversuch. Wahrscheinlich wurde die Schallquelle auf diesem Sinneswege genauer untersucht.

Boris Culik hält nach Schweinswalen Ausschau. Im Vordergrund steht der für die Vermessung der Auftauchpunkte verwendete TheodolitDass sich einige Tiere der Lärmquelle neugierig näherten, ist allerdings kein Grund zur Entwarnung. Die Schweinswale reagierten auf die Störung und in welchem Ausmaß dies bei größeren und mehreren Offshoreanlagen der Fall sein wird, muss noch näher untersucht werden.

Zudem sind nach wie vor die begleitenden Probleme zu lösen. Vor allem beim Bau der Anlagen in den sturmarmen Sommermonaten - also genau zur Fortpflanzungszeit von Schweinswalen und Seehunden, kommt es zu erhöhtem Schiffsverkehr durch Baufahrzeuge sowie weitreichenden Schallemissionen durch Rammarbeiten für die Fundamente der Windmühlen. Dieser zum Teil erhebliche Lärm könnte die Tiere aus ihrem Habitat vertreiben.

Da alle Antragsteller ihre Windparks bis 2006 fertigstellen wollen (denn nur so weit reicht die Förderung des Gesetzgebers durch die Garantie hoher Stromeinspeisevergütungen), wird es vor der deutschen Nord- und Ostseeküste kaum einen unbeeinflussten Bereich geben, der sich als ruhiges Rückzugsgebiet für die Tiere eignet. Hier müssen Genehmigungsbehörden den Bauunternehmen rechtzeitig Grenzwerte vorschreiben und geeignete Maßnahmen zur Schalldämmung gefunden werden.

Ob Blasenvorhänge (2) eine Lösung darstellen, ist noch unklar. Auch sollten die Betreiberfirmen sich nach alternativen Gründungsarten umschauen (zum Beispiel Einspülen der Fundamente). Für die spätere Betriebsphase der Windparks suchen wir weiterhin nach unkritischen Frequenzbereichen für Windräder und Turbinen.

Da das Hörvermögen von Schweinswalen und Seehunden mit tiefen Frequenzen immer weiter abnimmt, müssen die Konstrukteure darauf achten, dass die Anlagen auch bei hohen Windgeschwindigkeiten nicht anfangen zu "jaulen". Unser Ziel ist es, bereits in der Entwicklung der Windgeneratoren mit technischen Maßnahmen das Emissionsverhalten positiv zu beeinflussen.

(1) Pieper oder englisch "pinger" sollen dazu dienen, die hohen Beifangraten von Schweinswalen zu verringern, indem die Tiere von Netzen vertrieben werden. Ungelöste Probleme bereiten dabei eine mögliche Gewöhnung an den Schall und ein eventueller Ausschluss aus ihrem Habitat.
(2))Blasenvorhang: Unterwässerschläuche mit vielen Löchern sprudeln Luftblasen. An dem dadurch entstehenden "Vorhang" brechen sich die Schallwellen bestimmter Frequenzen, dahinter ist es leiser.

pdfpdf-download (ca. 900 KB) der Publikation "Behavioural reactions of free-ranging porpoises and seals to the noise of a simulated 2 MW windpower generator"; erschienen in: Marine Ecology Progress; Vol. 265: 263-273; vom Dezember 2003

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Rote Karte für zwei Windparks in der Ostsee

Dezember 2004 - In zwei Schutzgebieten in der Ostsee dürfen keine Offshore-Windparks errichtet werden. Die Anträge auf Genehmigung zweier Windparks in der "Pommerschen Bucht" und im angrenzenden Gebiet "Adlergrund" hat das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg abgelehnt.

Deutschland habe beide Gebiete bereits als Teile des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 vorgeschlagen und nach Brüssel gemeldet, teilte das Bundesumweltministerium (BMU) mit.

Strategie der Bundesregierung sei ein umwelt- und naturverträglicher Ausbau der Windenergie auf hoher See. Das europäische Vogelschutzgebiet "Pommersche Bucht" gilt als ideales Rast-, Mauser-, Nahrungs- und Überwinterungsquartier, insbesondere für verschiedene Entenarten. Das Gebiet "Adlergrund" zeichne sich vor allem durch wertvolle Sandbänke und Riffe aus. Die Antragsteller waren laut BMU frühzeitig darauf hingewiesen worden, dass die ausgewiesenen Schutzgebiete in Nord- und Ostsee grundsätzlich nicht für den Bau von Windenergieanlagen geeignet sind.

Die beiden Windparks sollten insgesamt 115 Anlagen umfassen.

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Meeressäuger - Cetaceen